Mrz 202012
 
Meditation und Psyche

Meditation: Balance für die Seele – Bild: © Tran-Photography – Fotolia.com

Jeder kennt solche Tage – man fühlt sich schlapp, ausgelaugt, leicht reizbar und möchte sich am liebsten zu Hause verkriechen und nichts hören, nichts sehen. Diese Gefühle sind bis zu einem gewissen Grad normal, wenn sie aber regelmäßig wiederkehren, haben sie Auswirkungen auf den Alltag und man gerät in einen Teufelskreis negativer Gedanken. „Positiv denken“ ist ein Mantra, das nicht einfach umzusetzen ist, dies weiß jeder, der einen stressigen Alltag bewältigen muss und nicht viel Zeit hat, seine eigene Psyche zu pflegen.

Die Psychologie greift daher oft auf eine Methode zurück, die vermutlich so alt ist wie die Menschheit selbst und Sie kann helfen, positive Gefühle und Entspannung zurückzuholen: die Meditation.

Ursprünge der modernen Meditation

Die Meditation ist dem fernöstlichen Buddhismus und Hinduismus als spirituelle Praxis entsprungen. Im westlichen Gebrauch wird sie dagegen nicht zwingend religiös, sondern auch als Methode zur Ruhe zu kommen und im Rahmen der Psychotherapie genutzt. Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass regelmäßige Meditation Einfluss auf die Gehirnstrukturen des Menschen nehmen kann. Es handelt sich also keineswegs um Hokuspokus, sondern um eine wirksame Form der Vorsorge und Therapie. Der Vorteil einer solchen Therapie ist, dass man sie allein zu Hause ohne Hilfsmittel ausüben kann. Der Schlüssel dafür ist, sich frei von seinen Gedanken zu machen und einen Zustand der absoluten Entspannung zu erreichen und dies am besten einmal täglich.

Auch wenn es sich einfach anhört – sich frei von Gedanken zu machen und einen Zustand innerer Ruhe durch das Aufsagen von Mantras zu erreichen ist leider nicht so einfach. Damit die Meditation Resultate zeigt, ist viel Übung und Konzentration nötig. Um Meditationen für sich zu nutzen und in das eigene Leben zu integrieren, lohnt sich daher die Einarbeitung in verschiedene Methoden.

Verschiedene Meditationen und ihre Wirkung

Es gibt viele unterschiedliche Techniken der Meditation. Ganz grob lässt sich jedoch eine Einteilung in zwei Überbegriffe machen: die Kontemplation oder auch passive Meditation und die aktive Meditation. Bei der ersten, der kontemplativen Variante, nimmt man die Haltung ein, die den meisten bei dem Gedanken an Meditation sofort in den Sinn kommt: stilles Sitzen, oftmals im Schneidersitz. Aktives Meditieren erfolgt durch Bewegungen oder auch lautes Sprechen. Dazu werden auch bestimmte Sportarten, zum Beispiel Yoga, Tanz und die fernöstliche Kampfkunst gezählt. Es ist allgemein bekannt, dass Sport oder lange Spaziergänge einen positiven Effekt auf die Seele haben. Zur Einarbeitung in die Meditation als seelische Hilfe ist es aber auch ratsam die stille Meditation in Betracht zu ziehen.

Im Westen sind vor allem drei Methoden der stillen Meditation verbreitet: Vipassana, Zazen und Samatha. Vipassana und Zazen stammen aus dem Buddhismus. Bei dieser Meditation wird eine aufrechte Haltung im Sitzen, die nicht zu entspannt aber auch nicht zu anstrengend ist, eingenommen. Dann versucht man, seine Gedanken fließen zu lassen, darauf zu achten was in einem passiert ohne bewusst an einem Gedanken festzuhalten. Der zentrale Gefühlszustand, der bei dieser Meditation erreicht werden soll, ist im Hier und Jetzt zu verweilen. Bei der ebenfalls sehr bekannten Samatha-Meditation konzentriert sich der Meditierende auf ein bestimmtes Objekt, er sagt im Inneren ein Mantra auf, konzentriert sich auf seinen Atem oder fixiert einen Gedanken. Es ist möglich die verschiedenen Meditationen miteinander zu verbinden.

Meditation kann jedem helfen

Meditation ist nicht nur für esoterisch angehauchte Menschen geeignet. Bei Alltagsstress bis hin zu einer schweren Depression kann Meditation der richtige Weg sein um den inneren Seelenfrieden zu finden oder wiederherzustellen. An der Universität Wisconsin untersuchten amerikanische Forscher den Zusammenhang zwischen Meditation und Psyche, indem sie die Gehirnströme von Mönchen aus Tibet untersuchten. Es wird seither davon ausgegangen, dass regelmäßige und langfristige Meditation Einfluss auf das Gehirn und die Persönlichkeit nehmen kann. Natürlich kann man nicht so intensiv meditieren wie ein tibetischer Mönch, dennoch kann man durch Meditationsübungen bereits großen Einfluss auf den Stress und die negativen Gedanken, die einen bisweilen plagen, nehmen.

Beim Meditieren ruht man ganz in sich selbst und ist gezwungen die Außenwelt für mindestens zehn Minuten auszublenden und Kraft aus sich selbst zu schöpfen. In einem Moment der Ruhe können dem Meditierenden auch regelrechte Geistesblitze in den Sinn kommen. Menschen, die zu Depressionen und Burnout neigen oder mit einem Problem nicht weiterkommen, da die Gedanken zu sehr kreisen, wird in der Psychotherapie daher oftmals die Meditation empfohlen.

Mit der Meditation gleich beginnen

Mit dem Meditieren kann jeder direkt beginnen, es werden keine Hilfsmittel benötigt. Für den Anfang reicht es, sich täglich zu einer bestimmten Uhrzeit – am besten immer zur selben – mindestens zehn bis zwanzig Minuten frei zu nehmen um das Meditieren zu üben. Möglicherweise hilft dabei ein abgedunkelter Raum und Entspannungsmusik, dies muss jeder für sich selbst herausfinden. Am Anfang fällt es nicht leicht, die Gedanken fließen zu lassen oder sich im Gegenteil auf nur einen zu konzentrieren. Mit der Zeit jedoch wird es einfacher und man gelangt schneller in einen Zustand der Ruhe. Das Resultat größerer Ausgeglichenheit und Entspannung kann schon nach wenigen Tagen spürbar sein.

Sep 272011
 

Anhaftung, so befand schon Buddha vor mehr als 2500 Jahren, ist eine der Quellen von Leiden. In einer auf materielle Dinge und Besitz ausgerichteten Kultur mutet diese Feststellung widersprüchlich an. Festzustellen ist aber auch: Immer mehr Menschen in zivilisierten Ländern suchen in der Spiritualität Erlösung – und gerade der Buddhismus boomt. Und: Wir haben längst verstanden, dass Besitz allein nicht glücklich macht.

Im Hier und Jetzt leben

Der moderne Mensch klammert sich an Status, Besitz oder Geld, weil sie Sicherheit vermitteln. In Wahrheit ist nichts sicher. Im nächsten Moment kann sich alles ändern. Obwohl wir uns Sicherheit vorgaukeln, könnte morgen alles vorbei sein. Jeder Mensch ist nur Gast auf Erden, ein Durchreisender. Irgendwann am Ende seines Lebens muss jeder loslassen können. Doch bis dahin hält man fest. Man lebt mehrheitlich nicht im Hier und Jetzt, sondern im Gestern und Morgen – und im Widerspruch mit dem, was ist. Man lebt in Erinnerung an Dinge, die einen vor Jahren verletzt haben – so, als wäre es erst gestern geschehen.

So kann man den frischen Moment, in dem sich ein neues Erleben anbahnt, nicht unbelastet angehen. Man freut sich im Voraus auf einen Urlaub, den man erst in einem halben Jahr antreten wird. Darüber hinaus verpasst man das Jetzt – denn nichts gleicht dem spektakulären Sonnenuntergang an einem bestimmten Ort oder dem Leben auf einer idealisierten Trauminsel. Loslassen heißt in diesem Bezug, wirklich hier zu sein, diesen Moment voll auszukosten. Ganz hier zu sein, bedeutet das Loslassen aller Dinge, die nicht “hier” sind.

Nicht geleistetes Loslassen kann krank machen

Sterbende müssen ebenso loslassen lernen wie Lebende. Wenn Überlebende die Trauer nicht loslassen können, werden sie depressiv. Wenn Kinder ihr Spielzeug nicht loslassen können, lernen sie das Teilen nicht. Wenn man von leer gegessenen Dosen nicht loslassen kann, wird man leicht zum Messie. Hoffnungen und Träume loslassen zu lernen, heißt mit Unsicherheit zu leben. Sich von seelischem Ballast, Schuldgefühlen oder traumatischen Erlebnissen zu lösen, bedeutet sie als geschehen zu akzeptieren und als Vergangenheit anzusehen. Vergangene Geschehnisse müssen nicht zum Stolperstein für zukünftige Erlebnisse werden. Lässt man nicht los, verhindert man freie Selbstentfaltung. Als Symptome nicht geleisteten Loslassens zahlt man mit Schlafstörungen, Depressionen, Schuldgefühlen, Panikattacken, Verleugnung und Verdrängung, Suchtverhalten, Selbstwertstörungen und Ähnlichem. Loslassen kann Verzicht und Befreiung zugleich bedeuten.

Loslassen können bedeutet Lebensqualität

Loslassen lernt sich nicht von heute auf morgen. Manchmal hilft eine Liste der Dinge, an die man sich klammert, um sich sicherer zu fühlen. Doch die vermeintliche Sicherheit kann leicht zum Hindernis werden, in dem nichts mehr fließt. Das lebendige Fließen ist aber kreativer Bestandteil des Lebensgefühls, das einem zunehmend abhandenkommt.

Den Prozess des Loslassens beginnt man gedanklich und setzt ihn dann zunehmend auch in die Tat um. Zuerst müssen alte Einstellungen hinterfragt werden. Zu akzeptieren, die die Dinge nicht ganz so sind, wie man sie haben möchte, ist ein erster Schritt zum Loslassen. Das Geschenk des Lebens wertschätzen zu können, bedeutet, sich lebendig zu fühlen. Wer von sich sagt, er wurde gelebt, hat nicht nur gefühlt sein halbes Leben verpasst. Es liegt an jedem selbst, in welche Richtungen die Gedanken laufen. Befreit von Ballast lebt man leichter.

Jun 082011
 
Achtsamkeit: Eine Lebenseinstellung

Achtsamkeit: Eine Lebenseinstellung – Bild: © Kati Molin – Fotolia.com

Ein wesentlicher Faktor für die Wahrnehmung ist die geistige Einstellung, welche es dem Menschen ermöglicht, die Welt als Ganzes wahrzunehmen. Dazu gehört, sich dessen bewusst zu werden, was gerade jetzt im Innen und im Außen vorgeht. Dies sollte gelassen und ohne emotionale Identifikation und Beteiligung betrachtet werden können. Es gilt der Leitsatz, dass nichts sein muss, denn alles ist bereits. Diese geistige Einstellung wird auch als Achtsamkeit bezeichnet. Das Prinzip der Achtsamkeit stammt wahrscheinlich ursprünglich aus dem Buddhismus und hat dort die Bedeutung, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Dazu gehört auch das Gewahr sein der aktuellen Gefühle, Gedanken und Handlungen. Achtsamkeitsübungen werden heutzutage in der modernen Psychotherapie eingesetzt. Dies soll zu einem Selbsterfahrungsprozess führen, welcher zu mehr Lebensqualität, Wohlbefinden und einer besseren Gesundheit führen soll. Doch kann man das Prinzip der Achtsamkeit auch gewinnbringend in den Alltag integrieren. Durch Achtsamkeitsübungen wird die Welt und ihre Objekte von Bewertungen, Erwartungen und Gefühlen entkoppelt. So ist eine ganzheitliche Sicht der Dinge wieder möglich.

Doch um sich in Achtsamkeit zu üben, braucht man weder Psychotherapie noch muss man ein buddhistischer Mönch sein. Jedem ist es jederzeit möglich, sich in Achtsamkeit zu üben. Gerade wenn man sich in emotionalem Aufruhr befindet, Stress erlebt oder eine schwierige Lebenssituation durchwandert, kann Achtsamkeit helfen. In solchen Situationen ist es ratsam, den Gegebenheiten nüchtern und sachlich zu begegnen. Beispielsweise kann man emotionalen Aufruhr ganz ruhig betrachten ohne ihn begreifen zu wollen.

Begegnet man Dingen, Situationen oder Menschen achtsam, erscheinen sie einem klar und echt. In dieser Bedingungslosigkeit ist es uns möglich, die Dinge so sein zu lassen, wie sie eben sind. Diese Erfahrung kann den Achtsamen mit dem Gefühl der Freiheit erfüllen. Achtsam zu sein sollte man auf jeden Fall ausprobieren und erleben. Damit es zur Basis unserer Wahrnehmung wird, bedarf es jedoch einer regelmäßigen Übung.

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