Apr 192013
 
Psychohygiene

Psychohygiene: essentiell für das Wohlbefinden – Bild: © Mopic – Fotolia.com

Zähneputzen, Duschen, Haare kämmen – all diese Dinge gehören wie selbstverständlich zu unserem Alltag, wir halten unseren Körper und unser Umfeld sauber, damit wir uns besser und rein fühlen. Genauso sorgfältig sollten wir unsere Psyche pflegen, diese wird jedoch in unserer Gesellschaft nach wie vor vernachlässigt. Dabei trägt die Pflege der Psyche, ein Vorhaben, das sich unter Psychohygiene zusammenfassen lässt, einen großen Teil zur seelischen Gesundheit bei. Wie man Psychohygiene betreibt um mehr Zufriedenheit, Gelassenheit und seelisches Wohlbefinden im Leben zu erreichen, kann mit ein bisschen Übung gelernt und mit den richtigen Tipps gefördert werden.

Was ist Psychohygiene?

Unsere Psyche ist ebenso ein Teil von uns, wie unser Körper und dementsprechend sorgfältig sollten wir sie behandeln, vor allem wenn bestimmte Sorgen immer wieder an unserem Wohlbefinden nagen. Die Psychohygiene soll daher in erster Linie dazu dienen, die seelische Gesundheit zu erhalten oder wieder herzustellen, indem Stress und schlechte Erfahrungen ausreichend bewältigt werden. Die Psychohygiene strebt die Reinigung der Psyche von Sorgen, Ängsten, Wut, Neid oder ähnlicher negativer Gefühle, die unser Wohlbefinden beeinträchtigen, an. Um das zu erreichen, müssen wir negative Gedanken, Selbstkasteiung und immer wieder kehrende Sorgen lernen loszulassen und mit mehr Gelassenheit zu betrachten.

Ziele der Psychohygiene

Durch eine ausreichende Psychohygiene soll ein Zustand der Entspannung und Gelassenheit und ein inneres Gleichgewicht hergestellt werden. Dabei sollen natürlich nicht jede Form der Sorge und Gefühle verdrängt oder abgelegt werden. Mit Hilfe der Psychohygiene können Menschen jedoch lernen, Teufelskreise zu durchbrechen, Stress und Traumata zu bewältigen und dem Körper und der Psyche eine Pause zu gönnen. Durch die Befreiung von unnötigem Ballast können auf Dauer die seelische Gesundheit erhalten und ein zufriedener Alltag erreicht werden. Dies ist oft auch eine Lösung für körperliche Probleme wie Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen, die einen immer wieder plagen und für die es keine krankheitsbedingten Ursachen gibt.

Vorgehen der Psychohygiene

Ein Schlüsselbegriff der Psychohygiene ist Achtsamkeit. Bevor die Psyche von Sorgen und negativen Gedanken gereinigt werden kann, müssen diese erst ausfindig gemacht werden. Der Ursache schlechter Gefühle sollte auf den Grund gegangen werden. Dafür müssen die eigenen Stimmungen achtsam beobachtet und analysiert werden. Es kann helfen, die schlechten Gefühle schriftlich festzuhalten. Um Achtsamkeit zu erreichen, ist ein entspannter Zustand Voraussetzung.

Um Psychohygiene effizient nutzen zu können, sollte also zunächst versucht werden Entspannung zu erreichen. Dies kann durch körperliche Methoden wie Atemübungen und Übungen zur Muskelentspannung unterstützt werden. Um schlechte Gefühle und Sorgen in einem Zustand der Entspannung richtig zu identifizieren, können auch bestimmte Leitfragen helfen. Schon das Aufspüren und bewusst machen bestimmter negativer Gefühle tragen einen großen Teil zur Reinigung bei. Mit der Zeit findet jeder das Vorgehen und die Methoden, die ihm persönlich am meisten helfen. Um vom Effekt der Psychohygiene zu profitieren ist schließlich wie bei der körperlichen Hygiene, eine regelmäßige Wiederholung der Psychohygiene der Schlüssel.

Tipps für den Alltag

Viele negative Gefühle, Sorgen und auch kleinere Traumata können durch wenige Tipps im Alltag schon bereinigt werden. Tiefer liegende Probleme, die sich nicht durch eigene Psychohygiene bereinigen lassen, sind jedoch häufig nur im Rahmen einer Psychotherapie wirklich zu lösen. Die folgenden Tipps zur Psychohygiene können jedoch bereits zu einem besseren Wohlbefinden, mehr Gelassenheit und Zufriedenheit im Alltag führen:

Leitfragen und Antworten schriftlich festhalten: Um die negativen Gefühle, die auf die körperliche und seelische Gesundheit schlagen zu identifizieren, sollte man täglich oder mehrmals die Woche Leitfragen wie „Was hat mich heute glücklich/unglücklich gemacht?“, „In welcher Situation war ich heute traurig/ängstlich/nervös/zufrieden/entspannt?“ und die dazugehörigen Antworten auf einem Zettel oder in einem kleinen Notizbuch festhalten. Mit etwas Abstand kann man die einzelnen Situationen bewerten und Wiederholungen aufspüren. So entwickelt man mit der Zeit ein Gespür für die negativen Gefühle, die einen unberechtigter Weise zu viel beschäftigen.

Übungen zur körperlichen Entspannung: Verschiedene Atemübungen und Entspannungstechniken schulen durch einen entspannten Allgemeinzustand gleichzeitig die Achtsamkeit, die eine wichtige Voraussetzung für die Psychohygiene ist. Welche Methoden individuell entspannend sind, kann jeder Mensch für sich selbst herausfinden – manche gehen gern spazieren, machen Yoga oder kommen einfach ein paar Minuten in einem gemütlichen, stillen Raum zur Ruhe.

Ablenkung finden: Wenn man merkt, wie sich Gedanken im Kreis drehen und zu keinem Ende kommen, kann es helfen bestimmte Ablenkungen zu finden, die die Aufmerksamkeit fordern und sich wiederholenden Sorgen zumindest für ein paar Stunden oder Minuten ein Ende setzen. Mit der Zeit kann man lernen „Stopp“ zu sagen und das hin und her wälzen immer gleicher Gedanken zu unterbrechen.

Wiederholung: Die Psychohygiene ist kein Verfahren, das von heute auf morgen sein volles Potential entfaltet. Wie beim Zähneputzen, Duschen und Sport machen ist es deshalb wichtig, sie regelmäßig zu wiederholen. Mit der Zeit werden die einzelnen Methoden und Entspannungstechniken zum Alltag dazu gehören und es wird sich merklich mehr Zufriedenheit einstellen.

Wenn man diese Tipps versucht im Alltag zu beherzigen und ausreichend zu wiederholen, wird sich schon nach kurzer Zeit ein reinigender und beruhigender Effekt einstellen und man lernt, ähnlich wie bei der Meditation, ungesunde Gedanken und Gefühle besser zu bewältigen – für einen zufriedenere und ausgeglicheneren Allgemeinzustand.

Feb 152013
 
Helfersyndrom

Wenn helfen zur Sucht wird – Bild: © Robert Kneschke – Fotolia.com

Der Begriff Helfersyndrom wurde erstmals 1977 von Wolfgang Schmidbauer eingeführt und bezeichnet in zwischenmenschlichen Beziehungen den Hang einer Person, sich immer als Helfer anzubieten. Auch wenn der Wunsch anderen zu helfen per se nichts Schlechtes ist, entwickelt sich dieser Wunsch bei Menschen mit Helfersyndrom zu einer Sucht, die Person ist auf das Helfen fixiert. Diese Art von Hilfsbereitschaft übertritt die körperlichen und geistigen Grenzen der Betroffenen und schädigt die seelische Gesundheit.

Entstehung des Helfersyndroms

Ein Helfersyndrom entsteht oft schon durch frühe Prägungen der Psyche. Menschen, die schon in der Kindheit gelernt haben ihren Wert von der Anerkennung anderer abhängig zu machen, entwickeln ein geringes Selbstwertgefühl und häufig auch ein Helfersyndrom. Wenn Kinder für schwierige Situationen in der Familie und Probleme der Eltern verbal oder subtil verantwortlich gemacht werden oder aber die Anerkennung der Eltern stets an Leistungen geknüpft wurde, lernen sie sich nur dann wertvoll zu fühlen, wenn sie anderen helfen, da sie sich so unabdingbar machen. Sie fühlen sich verantwortlich für die Gefühle anderer und versuchen sich durch ihre Hilfsbereitschaft aufzuwerten. Sie lernen, sich nur dann als guten Menschen zu sehen, wenn sie nicht egoistisch sind, sondern anderen helfen.

Symptome und Folgen des Helfersyndroms

Ein ungesundes Helfersyndrom erkennt man daran, dass die Hilfsbereitschaft einer Person ihre seelische Gesundheit oder körperliche Befindlichkeit beeinflusst. Ein gesunder Egoismus ist von jedem Menschen zu erwarten, auch hilfsbereite Menschen kennen ihre Grenzen. Ein Mensch mit Helfersyndrom beachtet diese Grenzen nicht und überfordert sich. Erschöpfung und sogar Depressionen sind oft die Folge. Gleichzeitig lehnen Betroffene die Unterstützung Dritter ab und achten oft nicht mehr auf die Bedürfnisse derer, denen sie helfen möchten. Die eigenen Wünsche der Betroffenen sind nur noch an die Gefühle anderer geknüpft, sie koppeln ihren Wert an das Wohl und die Anerkennung einer anderen Person.

Dieser Selbstverlust bedeutet eine schwere Belastung für die Psyche. Betroffene leben oft in unglücklichen Beziehungen – sie hängen sich an Menschen in der Hoffnung diese zu ändern oder zu „retten“ und hoffen dadurch ihren eigenen Selbstwert zu steigern. Auch ein übermäßiges schlechtes Gewissen, wenn man sich selbst etwas Gutes tut, kann ein Zeichen für ein Helfersyndrom sein. Menschen mit Helfersyndrom haben daher Schwierigkeiten nein zu sagen und sich den Bitten anderer zu entziehen. Gleichzeitig halten sie andere Menschen oft für undankbar und neigen zu Weltschmerz. Die Folgen dieser ständigen Überforderung gepaart mit einem schlechten Gewissen und einem Selbstverlust münden häufig in Depression und Burn-out.

Das Helfersyndrom überwinden

Eine tief liegende Erkrankung der Psyche allein zu bewältigen, ist nicht leicht. Spätestens bei einer Depression als Folge eines Helfersyndroms sollte man daher die Hilfe eines Psychologen oder Psychotherapeuten einholen. Ein Ansatz, das Helfersyndrom zu überwinden, liegt darin das kindliche Trauma, das für dieses Syndrom verantwortlich ist aufzuarbeiten. Darüber hinaus ist vor allem die Verbesserung des Selbstbildes des Betroffenen nötig, damit er aus seiner Zwickmühle gelangt. Betroffene müssen lernen, dass ihr Wert nicht nur an die Anerkennung und das Wohl anderer geknüpft ist, dass es erlaubt ist, auch mal egoistisch zu sein und das eigene Wohl im Blick zu haben und dass man dadurch kein schlechter Mensch ist und auch nicht von Freunden und Verwandten verlassen wird. Eigene Stärken, fernab von der Hilfsbereitschaft müssen gefunden und gefördert werden.

Wenn Betroffene zum Beispiel Anerkennung im Sport, in der Kunst oder im Beruf erfahren, merken sie, dass sie auch andere Talente haben, die sie „wichtig“ und wertvoll machen. Auch können Betroffene sich ihrer Angst direkt aussetzen, indem sie sich dazu zwingen auch mal nein zu sagen. Auch wenn dies am Anfang besonders schwierig sein wird, wird man mit der Zeit merken, dass man keine schwerwiegenden Konsequenzen fürchten muss. Zeit für sich selbst, das Pflegen eigener Interessen und das Finden der Balance zwischen Hilfsbereitschaft und Egoismus sind der Schlüssel zu einer Überwindung des Helfersyndroms. Literatur, Gespräche und eine Therapie können dabei helfen, die seelische Gesundheit wieder herzustellen.

Tipps für den Alltag

Auch wenn in schweren Fällen eine Psychotherapie angeraten wird, gibt es kleine Experimente und Tipps im Alltag um ein Helfersyndrom zu überwinden und das eigene Selbstwertgefühl zu stärken:

  • Sich zwingen, auch mal nein zu sagen
  • Eigene Hobbys finden und Zeit für sich selbst frei machen
  • Die Unterstützung anderer annehmen
  • Körperliche Signale wie Erschöpfung wahrnehmen
  • Die Perspektive wechseln: Durch Gespräche und Literatur den Unterschied zwischen Hilfsbereitschaft und Aufopferung kennen lernen

Wenn Betroffene lernen, ihre Hilfsbereitschaft zu dosieren und ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen, können Sie ihren hilfsbereiten Charakter nutzen und positiv umsetzen: helfen ohne sich aufzuopfern.

Nov 282012
 
Hypochondrie Krankheitsangst

Die Angst vor Krankheiten bereitet Sorgen – Bild: © Rynio Productions – Fotolia.com

Es ist eine den Alltag maßgeblich beeinflussende Belastung, sowohl für Betroffene als auch für Angehörige und Freunde: Hypochondrie, die unbegründete Angst vor ernsthaften Erkrankungen stellt Betroffene und ihr Umfeld, darunter auch Ärzte, vor ungelöste Fragen. Die Signale des Körpers und vor allem auffällige Veränderungen wahrzunehmen ist wichtig, denn nur so können ernsthafte Erkrankungen frühzeitig erkannt und verhindert werden. Für Hypochonder jedoch stellt sich auch nach der Versicherung eines Arztes gesund zu sein, nicht die gewohnte Erleichterung ein. Sie leiden weiter unter einer unbegründeten Krankheitsangst, die zu einer ernsthaften Belastung im Alltag und für die Psyche wird. Dabei muss nicht einmal eine ernsthafte hypochondrische Störung vorliegen. Viele Menschen leiden einfach unter einer von Krankheitsfurcht durchzogenen Beziehung zu ihrem Körper.

Diese Krankheitsfurcht zeigt sich durch eine übertriebene Beobachtung und Deutung von Körpersignalen. Häufige Arztbesuche und wiederholte Vorsorgeuntersuchungen, die negative Befunde ergeben sind die Folge. Dabei sind die Symptome der Hypochonder nicht immer eingebildet. Die Krankheitsangst kann sich in nachweisbaren chronischen Beschwerden, wie zum Beispiel Magen-Darm-Problemen, starken Kopfschmerzen oder Hautausschlägen manifestieren. Hypochonder mit diesem Krankheitsbild haben eine so genannte somatoforme Störung.

Diese Art von psychosomatischer Störung kann jedoch in besonderen Stresssituationen bei jedem Menschen auftreten. Zu einer durch einen Psychotherapeuten zu behandelnden Störung wird das Leiden erst, wenn es chronisch ist und Betroffene ihren Alltag nicht mehr sorgenfrei bestreiten können. Auch für Angehörige kann dieses Ausmaß zu einer ernsthaften Belastung für die Psyche werden. Selbst leichte Formen der Hypochondrie sind bereits ein Problem für Betroffene und ihnen nahe Stehende. Um eine übertriebene Krankheitsangst in den Griff zu bekommen, sollte zunächst herausgefunden werden, was die Ursache für diese Angst ist um das Problem an der Wurzel zu packen.

Mögliche Ursachen der Hypochondrie

Als Hypochonder wird man nicht geboren. Auch wenn es nicht immer eindeutige Erklärungen für die unbegründete Krankheitsfurcht der Betroffenen gibt, finden sich einige Ursachen und Erfahrungen, die diese Angst ausgelöst oder begünstigt haben. Oft ist die frühe kindliche Konfrontation mit ernsthaften Krankheiten und Tod ein Auslöser für ein Leben in Sorge vor einer Erkrankung. Ein Kind, das ein Elternteil an Krebs oder eine andere Krankheit verloren hat oder selbst einmal ernsthaft krank war, hat im weiteren Leben Angst vor einer Wiederholung dieses Traumas. Jedoch kann auch eine überfürsorgliche Erziehung Grund für eine spätere Hypochondrie sein. Ängste der Eltern vor einer ernsthaften Erkrankung des Kindes übertragen sich auch unbewusst und das Kind lernt selbst auf harmlose Signale des Körpers besonders zu achten.

Die Krankheitsangst kann aber auch im Erwachsenenalter ausgelöst werden, zum Beispiel durch eine Falschdiagnose eines Arztes oder eine unentdeckte Krankheit. Menschen, die so ihr Vertrauen in Ärzte verloren haben, neigen dazu negative Befunde ständig in Frage zu stellen – zumal Sie ja reale körperliche Symptome spüren. Auch die Möglichkeiten der heutigen Zeit, Krankheitssymptome im Internet zu suchen, begünstigen die Sorge ernsthaft zu erkranken. Die Ursachen einer Hypochondrie sind vielfältig und individuell, sie zu kennen kann Betroffenen und ihren Angehörigen jedoch helfen, diese Krankheit ernst zu nehmen und richtig damit umzugehen.

Hypochondrie erkennen und richtig damit umgehen

Die Grenzen von einer erhöhten Achtsamkeit bis zu einer übertriebenen Beobachtung des eigenen Körpers sind fließend. Viele merken daher lange Zeit gar nicht, dass ein Betroffener unter Hypochondrie leidet. Erst wenn der Kranke nur noch ein Thema kennt, unter immer neuen Symptomen leidet und oft vage Aussagen zu seinem körperlichen Befinden trifft, obwohl sämtliche Arztbesuche ergebnislos waren, stellt sich der Verdacht der Hypochondrie ein. Hypochonder laufen dann oft Gefahr zu vereinsamen, denn Angehörige und Freunde reagieren häufig mit Unverständnis und Rückzug auf das irrationale Verhalten der Betroffenen.

Auch Ärzte verhalten sich manchmal herablassend und genervt gegenüber den immer wiederkehrenden Patienten. Es hilft daher, sich bewusst zu machen, dass Hypochonder dieses Verhalten nicht kontrollieren können. Auch wenn sie rational wissen, dass sie gesund sein müssen, leiden sie unter Angstzuständen. Angehörige und Freunde sollten daran denken, dass die Symptome des Betroffenen nicht eingebildet sind, sondern er diese tatsächlich spürt und diese ernst nehmen. Gleichzeitig sollte dem Betroffenen dabei geholfen werden seine Angst als das eigentliche Problem zu erkennen und nicht eine ernsthafte körperliche Erkrankung. Ein offenes Ohr und Gespräche, die dem Betroffenen zeigen, dass er ernst genommen wird, sind oft schon eine große Hilfe.

Für Betroffene ist es schwierig, allein einen Ausweg aus der Situation zu finden. Es ist es wichtig, die Krankheitsangst ernst zu nehmen, da sonst die seelische Gesundheit in Gefahr ist. Ablenkung in Form von sportlicher Betätigung oder einer zufrieden stellenden Arbeit und auch die Steigerung der körperlichen Gesundheit durch gesunde Ernährung, können helfen das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Sollte sich der Zustand nicht verbessern, ist eine Psychotherapie und in schweren Fällen auch eine medikamentöse Behandlung ein Weg, die Hypochondrie zu lindern.

Sep 102012
 
Panikattacken und allgemeine Angst

Wenn ständige Angst zum Begleiter wird – Bild: © Picture-Factory – Fotolia.com

Angst ist ein Grundgefühl, welches im Alltag im Falle einer befürchteten Bedrohung auftritt. Somit handelt es sich bei der Angst um einen evolutionär verankerten Schutzmechanismus, der in vermeintlichen Gefahrensituationen die Flucht einleiten kann und so die Unversehrtheit des Individuums wahrt. Kommt es jedoch zu klar abgrenzbaren Episoden starker Angst, die sich auch meist immer wieder wiederholen, spricht man von sogenannten Panikattacken.

Diese treten meist plötzlich und anfallsartig in Verbindung mit spezifischen Begleiterscheinungen auf; beispielsweise Schwitzen, Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Hitzewallungen oder Erstickungsgefühlen. Außerdem haben die Betroffenen das Gefühl der Unwirklichkeit oder sie befürchten, die Kontrolle oder den Verstand zu verlieren.

Wenn plötzlich die Angst kommt

Für die Betroffenen ist die Panikattacke sehr beunruhigend und belastend. Diese intensiven Angstzustände sind meist an keine erkennbare Ursache oder Situation gebunden. Nachdem die Panikattacke abgeklungen ist, bleibt bei vielen Betroffenen die Angst, dass sie wieder auftreten könnte. Man spricht hier von der „Angst vor der Angst“. Dies führt meist zu einem Vermeidungsverhalten, welches die Lebensqualität drastisch verschlechtern kann.

Wenn Sorgen zur generalisierten Angst werden

Personen mit allgemeinen Ängsten machen sich meist monatelang übertriebene und anhaltende Sorgen in ganz normalen Situationen und bei harmlosen Alltagsproblemen. Eine der typischen Fragen, welche Betroffenen sich immer wieder stellen ist beispielsweise “Was wäre, wenn…”. Die damit verbundene Angst ist unkontrollierbar und führt zu der permanenten Befürchtung, die eigene Person beziehungsweise Angehörige seien bedroht. Beispielsweise werden ohne konkreten Hinweis Unglücksfälle oder schwere Erkrankungen befürchtet.

Diese Ängste gehen mit einer andauernden muskulären Verspanntheit, Ruhelosigkeit, Schlafproblemen und Konzentrationsproblemen einher. Problematisch ist auch, dass Personen, welche unter generalisierten Ängsten leiden, stundenlang mit Grübelei verbringen und diese nur sehr schwer stoppen können. Die Sorgen und das Gefühl der Angst sind somit ein ständiger Begleiter und können kaum beiseitegeschoben werden. Viele Betroffene berichten, dass sie sich ihren Ängsten und Sorgen ausgeliefert fühlen. Sie seien unkontrollierbar und kaum ist eine Sorge vorbei, käme schon wieder die nächste.

Ursachen für krankhafte Angst

Trotz des Forschungsbemühens ist es bis heute nicht gelungen, die genauen Ursachen für krankhafte Angst zu bestimmen. Das mag wohl an der komplexen Entstehung dieser Problematik und den vielen möglichen Einflüssen liegen.

Sicher ist, dass hier sowohl biologische als auch psychologische Faktoren eine große Rolle spielen. Es konnte gezeigt werden, dass genetische wie auch familiäre und erzieherische Einflüsse die Entstehung von krankhafter Angst begünstigen können.

Angst & Panik bewältigen

Immer wiederkehrende und anhaltende Angstzustände sind sowohl für die Psyche als auch für den Körper eine große Belastung. Ein Betroffener berichtet: „Zu Beginn habe ich die Phasen der plötzlichen Angst nicht ernst genommen. Erst als ich aufgrund der immer wiederkehrenden Angst, die Kontrolle zu verlieren, zum Arzt ging, wurde mir klar, dass ich unter Panikattacken leide. Mir war schnell klar: Ich kann nicht mehr so weitermachen. Deshalb habe ich Hilfe bei einem Psychologen gesucht.“

Meist ist es nur schwer möglich, den Teufelskreis der Angst mit eigenen Kräften zu durchbrechen. Wenn die Angst ein krankhaftes Ausmaß angenommen hat, ist es sehr ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Verhaltenstherapeutische Verfahren haben bei der Bewältigung von krankhaften Ängsten die besten Resultate gezeigt.

Wege aus der Angst

Um die Angst zu besiegen, ist es wichtig, zuerst zu verstehen, wie Angst entsteht. Die Aufklärung über die Entstehung der Angst ist hierbei wichtig. So können bei zukünftigen Panikattacken die typischen Aufschaukelungsprozesse vermieden werden. Denn krankhafte Angst entsteht immer durch eine gedankliche Fehlinterpretation von harmlosen Empfindungen. Mit dem Wissen, das Angst eigentlich eine natürliche und harmlose Reaktion ist, können infolgedessen mittels Einstellungsänderungen angstfördernde Gedanken neutralisiert werden.

Dazu muss man sich aber erst mal mit den angstauslösenden Gedanken konfrontieren. Dies ist für viele Betroffene mit sehr viel Überwindung verbunden. Doch nur so ist es möglich, die angstfördernden Gedanken zu durchbrechen und durch positive Einstellungen zu ersetzen. Danach ist es möglich, Schritt für Schritt die Ungefährlichkeit der gefürchteten Situationen oder Objekte zu erfahren und die Angst hinter sich zu lassen. So kann schließlich auch das kontraproduktive Vermeidungsverhalten abgelegt werden und eine Teilnahme am Alltagsleben wird wieder möglich.

Krankhafte Angst und Panik kann überwunden werden. Es ist auf jeden Fall ratsam hierbei Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine psychologische Beratung kann helfen, die verlorene Lebensqualität zurückzugewinnen.

Aug 232012
 
Schlafprobleme und Schlaflosigkeit

Schlafprobleme müssen nicht sein – Bild: © Gina Sanders – Fotolia.com

Schlaflose Nächte kennt jeder. Eine Grippe, eine Prüfung am nächsten Tag, die falsche Matratze oder ein schweres Abendessen können schon dazu führen, dass man am Abend mit dem Einschlafen zu kämpfen hat. Von einer wirklichen Schlafstörung, einer so genannten Insomnie, spricht man erst dann, wenn die schlaflosen Nächte zu einem regelmäßigen und im Alltag belastenden Problem werden. Die Ursachen hierfür können ganz unterschiedlich sein. Oft ist das Problem schon damit behoben, dass man eine neue Matratze kauft oder vor dem ins Bett gehen keine schwere Mahlzeit zu sich nimmt. Auch abendliche Rituale, zum Beispiel eine halbe Stunden lesen oder ein gut durchlüftetes Zimmer helfen beim Einschlafen. Sollten sich die Schlafstörungen auch dann nicht beheben lassen, liegt jedoch die Vermutung nahe, dass das Problem des Betroffenen tiefer liegt.

Schlafprobleme spiegeln seelische Probleme wider

In der Nacht werden alltägliche Erlebnisse, aber auch Erinnerungen und private Probleme verarbeitet. Wenn der Alltag von beruflichem Stress, Problemen in der Familie oder einem unzufriedenen Grundgefühl geprägt ist, kann sich das in einem unruhigen Schlaf zeigen. Betroffene plagen sich teilweise unbewusst, teilweise jedoch auch ganz bewusst mit quälenden Gedanken, suchen eine Lösung für ihr Problem oder können einfach nicht abschalten. Der Gedanke „Ich kann nicht mehr so weiter machen wie bisher“ wird im Alltag von vielen verdrängt. Im Schlaf zeigt sich jedoch, dass eine tiefgreifende Veränderung im Leben der Betroffenen angebracht ist. Wenn man zum Beispiel unzufrieden mit seinem Job ist oder sich im Alltag zu viel Arbeit aufhalst, sendet der Körper Warnsignale – eines davon können Schlafstörungen sein.

Psychisch bedingte Schlafstörungen

Ein besonders unruhiger Schlaf, für den man keine Erklärung findet, kann jedoch auch ein Symptom für andere seelische Probleme sein. So ist eine Ein- oder Durchschlafstörung eine typische Begleiterscheinung von Depressionen. Schlafstörungen können aber auch auf internistische Krankheiten wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Krampfadernleiden hindeuten. Wenn man die Schlafstörung durch einfache Mittel wie Stressreduzierung oder eine gesunde Ernährung nicht in den Griff bekommt, ist ein Gang zum Arzt oder einem Psychologen wahrscheinlich unverzichtbar.

Im Schlaf werden unbewusste alltägliche Probleme, Traumata oder tiefer liegende Störungen verarbeitet. Werden alltägliche Gefühle wie Angst, Sorgen, Schuldgefühle, Überforderung oder Erschöpfung im täglichen Leben verdrängt oder nicht dagegen vorgegangen, kann dies zur Schlafstörungen führen, da diese Gefühle dann besonders intensiv verarbeitet werden, wenn unser Körper zur Ruhe kommt. Die Folge sind nächtliche Angstzustände, unruhiges hin und her wälzen und Schwierigkeiten ein- und durchzuschlafen. Auch die Trauer durch den Verlust eines nahestehenden Menschen kann vorübergehend zu Schlafstörungen führen.

Wenn man die Vermutung hat, dass die eigenen Schlafstörungen auf psychologische Faktoren zurückzuführen sind, sollte man die Hilfe einer psychologischen Beratung oder eines Psychotherapeuten in Anspruch nehmen. Diese können dabei helfen, das Problem genau zu benennen und eine Hilfestellung für mögliche Lösungen sein.

Tipps für einen besseren Schlaf

Mit ein wenig Glück verhelfen schon einfache Lösungen zu einem tieferen und gesünderen Schlaf. Ein abendlicher Spaziergang, ein entspannendes Bad, eine gute Matratze oder warme Milch mit Honig – dies alles sind einfache Mittel, die den Körper entspannen. Abendliche Rituale wie leichte Lektüre oder Aktivitäten wie Yoga können zusätzlich den Kopf von quälenden Gedanken frei machen. Anstrengenden Sport, fettes Essen oder Genussmittel wie Alkohol sollte man vor dem Schlafengehen vermeiden. Auch panische Blicke auf die Uhr oder schnell noch mal die Arbeitsunterlagen für morgen durchzugehen ist keine gute Idee, wenn man ruhig schlafen will. Sollte die Ursache für den Schlafmangel Stress sein, muss man Wege finden, diesen im Alltag zu reduzieren und dafür sorgen, dass man regelmäßig zur gleichen Uhrzeit ins Bett geht und aufsteht.

Wenn all diese Mittel nicht helfen, liegt die Annahme nahe, dass die Schlafstörungen eine organische oder psychische Krankheit zur Ursache haben. In diesem Fall sollte man einen Arzt oder eine psychologische Beratung aufsuchen. Indem man das Problem bei der Wurzel packt, ist ein langfristiger Erfolg wahrscheinlicher. Die Hilfe eines Psychologen kann je nach Erkrankung und Problem einige Zeit in Anspruch nehmen. Oft führt aber allein schon der erste Schritt und die Aussicht auf Hilfe zu einem ruhigeren Schlaf.

Aug 182012
 
Seelische Gesundheit bedeutet Lebensqualität

Seelische Gesundheit bedeutet Lebensqualität – Bild: © Mopic – Fotolia.com

Es ist eine Selbstverständlichkeit, den Körper zu pflegen und zu stärken. Doch wie oft denkt man eigentlich an die Förderung und Erhaltung der seelischen Gesundheit? Natürlich erscheint das Bewahren des psychischen Wohls im ersten Moment nicht so einfach wie die Erhaltung der körperlichen Gesundheit. Doch gerade in einer schnelllebigen und stressigen Zeit ist es besonders wichtig, der psychischen Gesundheit die nötige Aufmerksamkeit und Beachtung zukommen zu lassen. Wer sich nicht regelmäßig um seine seelische Gesundheit kümmert, läuft Gefahr, den alltäglichen Anforderungen nicht mehr standhalten zu können. Die immense Wichtigkeit der seelischen Gesundheit wird vielen Menschen erst dann bewusst, wenn sie bereits an psychischen Beschwerden leiden. Andauernder Stress, Belastungen und das damit verbundene seelische Ungleichgewicht können letztendlich zu ernstzunehmenden seelischen sowie körperlichen Erkrankungen führen. Doch was ist eigentlich seelische Gesundheit und kann man sie wirklich so einfach beeinflussen?

Die Seele im Gleichgewicht

Seelische Gesundheit bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Erkrankungen. Dahinter verbirgt sich viel mehr ein komplexes Gleichgewicht zwischen dem Individuum und der Umwelt. Wer seelisch gesund ist, folgt seinen Bedürfnissen und Interessen und bringt diese in Einklang mit der Umwelt. Wird man sich selbst nicht gerecht, führt dies zu unangenehmen inneren Spannungszuständen. Dies kann der Seele schaden und die persönliche Entwicklung hemmen – Stress, Ärger und Irritationen sind die Folge.

Seelischen Belastungen können sehr vielschichtig sein und verschiedene Lebensbereiche beeinflussen. Gerade in den zwischenmenschlichen Beziehungen, der Familie und am Arbeitsplatz kann sich das seelische Ungleichgewicht negativ auswirken.

Seelisches Wohlbefinden steigern

Genauso wie man die körperliche Gesundheit fördern kann, ist es auch möglich, die seelische Gesundheit zu stärken. Hierfür sollte man für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung sorgen. Man sollte auch um genügend Freiräume neben all den Anforderungen des alltäglichen Lebens kümmern und nicht darauf vergessen, dass der Arbeit immer genügend Freizeit folgen sollte.

Es sind die Familien und Partnerschaften, welche Liebe, Sicherheit und Geborgenheit spenden. Diese Dinge sind für die Erhaltung und Förderung der seelischen Zufriedenheit unentbehrlich. Aber auch die Arbeit, Freunde und sozialen Netzwerke bieten Raum für Selbstentfaltung und Selbsterkenntnis, welche für die Stärkung der seelischen Gesundheit förderlich sind. Diese Lebensbereiche sollten regelmäßig gepflegt werden sodass sie nicht zu kurz kommen.

Wer auf seine seelische Gesundheit achtet, wird mit innerer Zufriedenheit und Lebensqualität belohnt. Für das perfekte seelische Gleichgewicht gibt es jedoch kein allgemein gültiges Rezept. Jeder ist aufgefordert, sich im Sinne des seelischen Wohls besser kennen zu lernen; das bedeutet die eigenen Grenzen zu erfahren und individuelle Bedürfnisse auszuloten. Durch Selbsterfahrung und Achtsamkeit muss man für sich selbst bestimmen, was für das seelische Wohlbefinden benötigt wird.

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