Okt 052011
 
Flow Erlebnis

Flow: ein Gefühl der Leichtigkeit – Bild: © Pakhnyushchyy – Fotolia.com

Wenn man derartig stark in eine Aufgabe vertieft ist, dass man alles um sich herum vergisst, dann wird dies in der Psychologie als „Flow“ bezeichnet. Der Name leitet sich von dem Gefühl her, wie in einem Fluss treibend von einer Tätigkeit getragen zu werden und sich im Einklang mit ihr zu befinden. Man hat das Gefühl, als ob man mit dem Moment oder der aktuellen Tätigkeit verschmelzen würde. Kinder befinden sich oft in einem Flow-Zustand. Sie haben im Vergleich zu Erwachsenen weniger Schwierigkeiten, sich beim Spielen oder bei anderen Aktivitäten, die sie gerne ausüben, vollkommen darin zu vertiefen. Doch können natürlich auch Erwachsene das Gefühl eines Flows erleben. Auf der Basis der folgenden Grundvoraussetzungen stellt sich schnell ein Flow-Erlebnis ein.

Der Psychologe Dr. Mihály Csíkszentmihályi legt die folgenden typischen Kennzeichen für den Flow fest:

  1. Das Verhältnis zwischen Anforderung und Fähigkeiten ist ausgewogen. Das Flow-Erleben stellt sich ein, wenn ein Mensch sich bei der Ausführung einer Aufgabe weder über- noch unterfordert fühlt.
  2. Durch das Ausführen der Aufgabe kann ein vorher gesetztes Ziel erreicht werden.
  3. Vollkommene Konzentration auf die Aktivität und das Gefühl, die Kontrolle über die Situation oder Aktion zu haben. Die Rückmeldung, ob die Aufgabe richtig ausgeführt wird, erfolgt sofort.
  4. Das subjektive Zeitgefühl verändert sich, die Zeit „verfliegt“ scheinbar. Manchmal werden auch körperliche Bedürfnisse wie Hunger oder Müdigkeit einfach nicht wahrgenommen.
  5. Die Ausführung der Aktion erfolgt nahezu mühelos und sorgt für ein intrinsisches, also aus dem Innern heraus entstehendes Glücksgefühl. Die Ausführung der Aufgabe ist Belohnung genug.

Das Flow-Erleben kann sich bei nahezu allen Tätigkeiten einstellen, die uns in ihren Bann ziehen, beispielsweise beim Sport oder Musizieren, beim Lernen, Arbeiten oder Spielen. Auch wenn das Flow-Erleben sich nicht erzwingen lässt, können günstige Voraussetzungen dazu geschaffen werden. Denn je mehr Flow-Erlebnisse wir haben, umso wohltuender wirkt sich das auf unsere Psyche und allgemeine Zufriedenheit aus.

Sep 292011
 

Der Einfluss von Musik auf den Körper und die Psyche ist unumstritten. Nur wenige Menschen reagieren der Musik gegenüber gleichgültig. Für die meisten, die Musik hören, hat sie entweder eine aktivierende oder eine entspannende Wirkung. Außerdem sagt man der Musik nach, dass sie das Sozialverhalten verbessern kann sowie die Konzentrationsfähigkeit und die Gedächtnisleistung erhöht. Ist es also wahr, dass Musik uns schlauer macht?

In Studien konnte gezeigt werden, dass Personen, welche vor einer Gedächtnisaufgabe klassische Musik hörten bei der Aufgabe besser abschnitten, als jede die keine klassische Musik gehört hatten. Dieses Phänomen ist auch als sogenannter “Mozart-Effekt” bekannt. Es konnte während des Hörens der als angenehm empfundenen Musik eine erhöhte Durchblutung in bestimmten Gehirnarealen beobachtet werden.

Besonders das limbische System, welches auch bei gutem Essen oder Drogeneinfluss aktiv ist, reagierte mit stärkerer Durchblutung. Im Gegensatz dazu waren bei unangenehmer Musik die Bereiche, die auch bei Angst aktiviert sind, stärker durchblutet. Bei angenehmer Musik werden Regionen, welche für Angst- und Alarmreaktionen zuständig sind abgeschaltet und dies wirkt sich positiv auf das Lernen und Einprägen aus. Durch die Musikstimulation kommt es zu einer erhöhten neuronalen Verschaltung und somit zu einer verbesserten Aktivierbarkeit bestimmter Gehirnregionen.

Bei vielen neurologischen und psychischen Erkrankungen wird die positive Wirkung der Musik therapeutisch eingesetzt. Bei Schlaganfallpatienten führt Musikhören zu einer Verbesserung des Sprachgedächtnisses und zu einer Verringerung von Depressionen und Verwirrtheit. Bei Patienten mit Alzheimer hat Musik eine Art Trainingseffekt und beugt dem Abbau des Gehirns vor. Auch bei Personen mit Multipler Sklerose, welche Lern- und Gedächtnisschwierigkeiten entwickeln, kann Musik als Gedächtnisstütze genutzt werden.

Auch bei Gesunden wirkt sich Musik positiv aus. Insbesondere das Spielen eines Instrumentes hat eine lernverbessernde Wirkung. Dies kann gerade bei musikalischen Kindern beobachtet werden. Auch ruft Musik autobiografische Erinnerungen hervor, welche vorwiegend als positiv empfunden werden.

Doch welche Musik ist nun förderlich? Diese Frage kann für jeden anders beantwortet werden. Empfehlenswert ist speziell für den therapeutischen Zweck komponierte Entspannungsmusik oder klassische Musik. Aber auch Popmusik, Schlager und Volksmusik können sich leistungssteigernd auswirken. Dabei ist Instrumentalmusik der Vokalmusik immer vorzuziehen.

Als Faustregel gilt jedoch: Schnelles Tempo und häufiger Tempowechsel wirken anregend. Gleichmäßiges Tempo unterhalb der Herzfrequenz wirkt hingegen beruhigend. Laute Musik mit starken Akzenten stimuliert und sanft pulsierende Musik in geringer Lautstärke wirkt entspannend. Hell strahlende Klangfarben aktivieren, weiche Klangfarben haben harmonisierende Wirkung. Und aufwärts gerichtete melodische Sprünge aktivieren, wohingegen abwärtsgerichtete Tonschritte eher dämpfen.

Die Wirkung von Musik auf unser Gehirn ist somit nicht zu unterschätzen und stellt einen wichtigen Beitrag, nicht nur für die Gedächtnisleistung, sondern auch für das allgemeine psychische Wohlbefinden dar.

Sep 272011
 

Anhaftung, so befand schon Buddha vor mehr als 2500 Jahren, ist eine der Quellen von Leiden. In einer auf materielle Dinge und Besitz ausgerichteten Kultur mutet diese Feststellung widersprüchlich an. Festzustellen ist aber auch: Immer mehr Menschen in zivilisierten Ländern suchen in der Spiritualität Erlösung – und gerade der Buddhismus boomt. Und: Wir haben längst verstanden, dass Besitz allein nicht glücklich macht.

Im Hier und Jetzt leben

Der moderne Mensch klammert sich an Status, Besitz oder Geld, weil sie Sicherheit vermitteln. In Wahrheit ist nichts sicher. Im nächsten Moment kann sich alles ändern. Obwohl wir uns Sicherheit vorgaukeln, könnte morgen alles vorbei sein. Jeder Mensch ist nur Gast auf Erden, ein Durchreisender. Irgendwann am Ende seines Lebens muss jeder loslassen können. Doch bis dahin hält man fest. Man lebt mehrheitlich nicht im Hier und Jetzt, sondern im Gestern und Morgen – und im Widerspruch mit dem, was ist. Man lebt in Erinnerung an Dinge, die einen vor Jahren verletzt haben – so, als wäre es erst gestern geschehen.

So kann man den frischen Moment, in dem sich ein neues Erleben anbahnt, nicht unbelastet angehen. Man freut sich im Voraus auf einen Urlaub, den man erst in einem halben Jahr antreten wird. Darüber hinaus verpasst man das Jetzt – denn nichts gleicht dem spektakulären Sonnenuntergang an einem bestimmten Ort oder dem Leben auf einer idealisierten Trauminsel. Loslassen heißt in diesem Bezug, wirklich hier zu sein, diesen Moment voll auszukosten. Ganz hier zu sein, bedeutet das Loslassen aller Dinge, die nicht “hier” sind.

Nicht geleistetes Loslassen kann krank machen

Sterbende müssen ebenso loslassen lernen wie Lebende. Wenn Überlebende die Trauer nicht loslassen können, werden sie depressiv. Wenn Kinder ihr Spielzeug nicht loslassen können, lernen sie das Teilen nicht. Wenn man von leer gegessenen Dosen nicht loslassen kann, wird man leicht zum Messie. Hoffnungen und Träume loslassen zu lernen, heißt mit Unsicherheit zu leben. Sich von seelischem Ballast, Schuldgefühlen oder traumatischen Erlebnissen zu lösen, bedeutet sie als geschehen zu akzeptieren und als Vergangenheit anzusehen. Vergangene Geschehnisse müssen nicht zum Stolperstein für zukünftige Erlebnisse werden. Lässt man nicht los, verhindert man freie Selbstentfaltung. Als Symptome nicht geleisteten Loslassens zahlt man mit Schlafstörungen, Depressionen, Schuldgefühlen, Panikattacken, Verleugnung und Verdrängung, Suchtverhalten, Selbstwertstörungen und Ähnlichem. Loslassen kann Verzicht und Befreiung zugleich bedeuten.

Loslassen können bedeutet Lebensqualität

Loslassen lernt sich nicht von heute auf morgen. Manchmal hilft eine Liste der Dinge, an die man sich klammert, um sich sicherer zu fühlen. Doch die vermeintliche Sicherheit kann leicht zum Hindernis werden, in dem nichts mehr fließt. Das lebendige Fließen ist aber kreativer Bestandteil des Lebensgefühls, das einem zunehmend abhandenkommt.

Den Prozess des Loslassens beginnt man gedanklich und setzt ihn dann zunehmend auch in die Tat um. Zuerst müssen alte Einstellungen hinterfragt werden. Zu akzeptieren, die die Dinge nicht ganz so sind, wie man sie haben möchte, ist ein erster Schritt zum Loslassen. Das Geschenk des Lebens wertschätzen zu können, bedeutet, sich lebendig zu fühlen. Wer von sich sagt, er wurde gelebt, hat nicht nur gefühlt sein halbes Leben verpasst. Es liegt an jedem selbst, in welche Richtungen die Gedanken laufen. Befreit von Ballast lebt man leichter.

Sep 142011
 

Die moderne Gesellschaft verlangt jedem Menschen sehr viel ab. Sie gibt sich nur mit einer ständigen Steigerung der Leistung zufrieden und dies führt nur zu oft zu einer chronischen Selbstüberforderung. Daraus resultiert früher oder später ein Ungleichgewicht zwischen Arbeitszeit und Freizeit.

Doch ist es nicht nur die gesellschaftliche Überbetonung von Arbeit, Leistung und Produktivität, welche das Bewusstsein für regelmäßige Erholung trübt. Es ist primär die verlernte Fähigkeit zu genießen. Nur durch wahren Genuss kann Erholung stattfinden. Die acht Genussregeln sollen helfen, das Genießen wieder zu erlernen.

Genuss braucht Zeit

Wenn man wirklich genießen will, muss man der Entwicklung positiver Gefühle Zeit geben. Zeitdruck und Genuss sind unvereinbar.

Genuss muss erlaubt sein

Sich selbst etwas Gutes zu tun sollte nicht mit Hemmungen oder schlechtem Gewissen einhergehen. Genuss ist Lebensfreude.

Genuss geht nicht nebenbei

Beim Genießen muss die Aufmerksamkeit fokussiert werden. Denn durch Ablenkung geht Genuss verloren. Deshalb sollte beim Genießen alles andere kurz zur Seite gelegt werden.

Wissen was gut tut

Genuss ist individuell und jeder hat andere Vorstellungen vom Genießen. Doch sollte dies auch als Aufforderung verstanden werden, Neues zu entdecken.

Weniger ist mehr

Ein großes Missverständnis ist zu glauben, dass derjenige der mehr konsumiert, mehr genießt. Für den Genuss zählt nicht die Menge sondern die Qualität.

Ohne Erfahrung kein Genuss

Beim Genießen kommt es auf die Wahrnehmung der einzelnen Nuancen an. Dieses Differenzieren der feinen Unterschiede bringt die Erfahrung mit sich.

Genuss ist alltäglich

Es bedarf keiner außergewöhnlichen Ereignisse um genießen zu können. Genuss ist im alltäglichen Leben realisierbar und erfahrbar.

Planen schafft Vorfreud

Neben den alltäglichen Genussmomenten sollte man Momente des Genusses ein- und vorplanen. Das hat den Effekt, dass man sich auf diese besonderen Momente schön länger vorher freuen kann.

Durch das Genusstraining ist es möglich, das Denken wieder auf die positiven Dinge des Lebens zu richten. Mittels dieser Selbstfürsorge werden persönliche Ressourcen freigelegt und Bedürfnisse erkannt. Dieser achtsame Umgang mit sich selbst fördert letztendlich das psychische Wohlergehen und beugt Burnout vor.

Aug 032011
 

Klassische Symptome der Depression sind das Gefühl der Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder innere Leere. Neben diesen emotionalen Erscheinungen ist die Depression auch an psychophysiologischen Merkmalen wie Schlafstörungen, Appetitminderung oder Gewichtsverlust erkennbar. Genau dieselben Symptome findet man bei der typischen Trauerreaktion nach dem Tod eines geliebten Menschen wieder. Ist also die Trauer der Depression gleichzusetzen oder ist man als Trauernder gefährdet, depressiv zu werden?

Wie lange und in welcher Form jemand trauert ist unter anderem von der Persönlichkeit und dem kulturellen Hintergrund des Betroffenen abhängig. Obwohl sich sehr viele Symptome der Trauer und der Depression gleichen, wird aus psychologischer Sicht auch bei schweren Trauerreaktionen nicht gleich eine Depression angenommen. Erst wenn nach zwei Monaten keine Besserung zu erwarten ist, sollte eine depressionsspezifische Behandlung in Betracht gezogen werden.

Diese Zeitspanne von zwei Monaten soll sicherstellen, dass auch aus gesellschaftlicher Sicht genug Zeit für den so wichtigen Trauerprozess bleibt und die normale Trauerarbeit einer Person nicht als krankhaft angesehen wird.

Komplizierte Trauerreaktionen, welche einen in der Depression mündenden Verlauf haben, sollten keinesfalls verharmlost sondern unbedingt psychotherapeutisch behandelt werden. Studien haben gezeigt, dass bei Personen, welche sehr früh belastenden Lebensereignissen ausgesetzt waren, für eine spätere Entwicklung einer Depression anfälliger sind. In solch einen Fall kann der Tod einer nahestehenden Person als Auslöser für die Depression eine Rolle spielen.

Aug 022011
 

In vergangenen Zeiten verschaffte die körperliche Stressreaktion dem Menschen einen Überlebensvorteil. In Gefahrensituationen war man schnell in der Lage sich zur Wehr zu setzten oder zu flüchten. Dieses Verhalten ist aber heutzutage in den wenigsten Fällen angebracht. Die durch die Stressreaktion bereitgestellte Energie für eine Flucht oder einen Kampf wird somit nicht abgebaut. Dies kann zu einer Verstopfung der Blutbahn durch Fett, Zucker oder verklumpende Blutplättchen führen. Es kann zu Arteriosklerose und Infarkten in Herz, Lunge oder Gehirn kommen.

Ungesundes Erholungsdefizit aufgrund von Dauerstress

Leider ist es in der modernen Welt oft der Fall, dass der Mensch diversen Dauerbelastungen und somit auch Dauerstress ausgesetzt ist. Der Körper kann mit Stressreaktionen aber nur eine bestimmte Zeit umgehen. Und so ist es der Fall, dass man bei länger andauernden Stressphasen in ein Erholungs- und Entspannungsdefizit gerät. Derartig langanhaltende Stressphasen können Schäden bei wichtigen Organen aber auch auf neuronaler Ebene anrichten. Außerdem wirkt sich Dauerstress negativ auf die Gedächtnis- und Konzentrationsleistung aus.

Bei kurz andauernden Stressbelastungen kommt es durch das ausgeschüttete Noradrenalin zu immunstimulierenden Effekten und somit kurzfristig zu einem erhöhten Schutz gegen Fremdkörper und Krankheitserreger. Bei länger andauernden Stressbelastungen kommt es jedoch zu einer nachhaltigen Schwächung des Immunsystems. Somit ist der Körper krankheitsanfälliger gegenüber Infektionen. Forschungsergebnisse zeigten, dass es außerdem einen Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen, verminderter Immunkompetenz und dem Wachstum von Tumorzellen während einer Krebserkrankung gibt.

Stressprävention hilft Erschöpfung zu vermeiden

Gesundheitliches Risikoverhalten und Stress bedingen sich gegenseitig. Das bedeutet, dass man in Stresssituationen vermehrt zu gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen neigt und somit die Stressreaktion zu kompensieren versucht. Gleichzeitig schwächt dieses gesundheitliche Risikoverhalten unseren Körper und verringert folglich die allgemeine Belastbarkeit und trägt zu einer rascheren Erschöpfung der Widerstandskräfte bei.

Chronischer Stress spielt bei einer Vielzahl von Erkrankungen eine große Rolle. Neben den körperlichen Beschwerden kann es auch zu massive Störungen des psychischen Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit kommen. Nicht umsonst spricht man in der Depressionsforschung von der sogenannten Stressdepression an der laut Studien ungefähr 20 % der Bevölkerung erkrankt sein sollen. Stressprävention ist daher in der heutigen Zeit für die Aufrechterhaltung der seelischen Gesundheit unumgänglich.

Top