Jan 302013
 
Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfrei kommunizieren als Lebensstil – Bild: © Petr Vaclavek – Fotolia.com

In Zeiten internationaler Krisen und regelmäßiger Schreckensnachrichten von Überfällen, familiärer Gewalt und anderen Beispielen gewaltvoller Konflikte, wird der Ruf nach gewaltfreien Lösungen, nach gewaltfreier Kommunikation lauter. Gewaltfreie Kommunikation ist aber nicht nur Thema internationaler und nationaler Politik, sondern fängt im Kleinen an. Sobald zwei Menschen aufeinander treffen, eine Art von Beziehung entsteht, findet Kommunikation statt – und dementsprechend entfaltet sich auch das Potential von Konflikten. Dabei findet sich in jedem Menschen neben einem grundlegenden Streben, eigene Bedürfnisse zu befriedigen, auch das Bedürfnis nach Harmonie und einem friedlichen Zusammenleben. Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation gründet auf diesem Bedürfnis und möchte einen Kommunikations- und Lebensstil fördern, der auf Einfühlungsvermögen und Wertschätzung basiert.

Gewaltfreie Kommunikation als Lebenshaltung

Die gewaltfreie Kommunikation als Konzept wurde von Dr. Marshall Rosenberg entwickelt und bezeichnet einen einfühlsamen Kommunikationsstil, der nicht nur die Bedürfnisse einzelner, sondern die Bedürfnisse aller im Blick behält. Im Mittelpunkt steht dabei eine Veränderung der Kommunikation in Form von veränderter Sprache und verändertem Zuhören. Die gewaltfreie Kommunikation ist jedoch nicht lediglich ein sprachliches Konzept, sondern verändert mit der Sprache auch die Lebenshaltung, indem durch eine wertschätzendere Kommunikation die innere Haltung gegenüber sich selbst und anderen transformiert werden kann.

Ziel der gewaltfreien Kommunikation ist nicht, einen anderen Menschen zu anderem Handeln zu bewegen, sondern langfristig durch Empathie ein vertrauensvolles Miteinander und friedliche Konfliktlösungen zu ermöglichen.

Die vier Pfeiler gewaltfreier Kommunikation

Das Erlernen gewaltfreier Kommunikation basiert auf vier Grundschritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte. Die Beobachtung beschreibt das wert- und interpretationsfreie Beschreiben einer Handlung oder Unterlassung. Diese Beobachtung löst wiederum ein Gefühl aus, ein Gefühl das mit Bedürfnissen in Verbindung steht.

Bedürfnisse sind individuell und subjektiv, aber dennoch ein allgemeines Gefühl, das in jedem Menschen präsent ist. Menschen können das Bedürfnis nach Verständnis, Akzeptanz, Freiraum, Sicherheit, Kontakt und vielem mehr haben. Sind ein oder mehrere Bedürfnisse nicht erfüllt, löst dies Gefühle aus. Gefühle können also als Indikator für unerfüllte Bedürfnisse interpretiert werden. Wenn die Interpretation eines Gefühls zum Erkennen des eigenen Bedürfnisses geführt hat, kann in einem vierten Schritt eine Bitte formuliert werden.

Die Bitte verlangt eine konkrete Handlung und sollte daher positiv formuliert werden, da dies die Chance auf Erfolg steigert. Mit diesen vier Schritten können eigene Handlungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten interpretiert und formuliert werden – durch einfühlsames Zuhören können diese vier Schritte außerdem in Kommunikationsprozessen mit anderen herausgefiltert werden. Was zunächst nach abstrakter Theorie klingt, lässt sich auch im Alltag konkret und erfolgsversprechend anwenden.

Gewaltfreie Kommunikation im Alltag

Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation ist ein Konzept, das zu mehr Verständnis und Respekt und zu einem friedvollen Miteinander führen soll. Dafür ist es notwendig, eigene Verhaltensmuster zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Eine ständige Unzufriedenheit und konfliktgeladene Beziehungen können auch dadurch zustande kommen, dass man nicht gelernt hat Bitten zu formulieren und die Schuld immer bei seinem Gegenüber sucht. Wenn man sich selbst besser kennenlernt, die eigenen Bedürfnisse erkennt und versteht, kann man diese Bedürfnisse einfordern ohne seinen Partner, seine Verwandten oder Freunde unter Druck zu setzen, beziehungsweise zu manipulieren.

Wenn das Verhalten des Anderen Wut oder Trauer auslöst, sollte man sich zunächst fragen, warum dieses Verhalten einen so wütend macht. Schnell wird man so merken, dass der Andere einen weder mit Absicht verletzten wollte, noch prinzipiell etwas falsch gemacht hat, sondern dass die Handlung des Anderen eigenen Bedürfnissen widersprochen hat. Kommt der Partner oder Kollege zum Beispiel immer zu spät, dann macht dies einen wütend, weil man großen Wert auf Pünktlichkeit legt oder aber sich durch die Unpünktlichkeit des Anderen nicht respektiert fühlt. Eine offene und ehrliche Bitte an den Anderen, doch bitte pünktlich zu kommen, da man selbst sehr viel Wert auf diese Tugend legt, führt dann schneller zum Erfolg als der allgemeine Vorwurf „Du bist schon wieder zu spät“.

Bevor man anderen einen Vorwurf macht, sollte man einen Blick zu sich selbst wagen – beobachten, fühlen, das Bedürfnis herausfinden – und dann eine positiv formulierte Bitte wagen, die mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen begründet wird. Auch wenn das Gegenüber diese Bitte nicht unbedingt erfüllen muss, ist so der Weg zu einer gewaltfreien Kommunikation geebnet.

Bitten richtig formulieren

Wenn man die eigenen Gefühle interpretiert hat und die dahinter stehenden Bedürfnisse kennt, ist es dennoch nicht immer leicht, die daraus resultierende Bitte zu formulieren. Sprachliche Missverständnisse sind oft die Quelle von Konflikten, genauso gut kann Sprache jedoch auch einen Konflikt entschärfen. Wer Bitten positiv und klar formuliert, läuft weniger Gefahr von seinem Gegenüber enttäuscht zu werden. Dafür ist es wichtig, klar zu sagen, was man von seinem Gegenüber verlangt. Wichtiger als zu sagen was man nicht möchte ist es zu sagen, was man möchte – am besten so konkret wie möglich.

Wie der Name schon sagt, geht es außerdem darum, jemanden um etwas zu bitten – nicht darum, ihm Vorschriften zu machen. Formulierungen wie „Kannst du bitte…“ und „Ich möchte…“ fruchten daher mehr als Befehle. Zusätzlich sollte man bei all seinen Äußerungen versuchen, so konkret wie möglich zu formulieren – schließlich kann das Gegenüber keine Gedanken lesen.

Mit den vier Schritten der gewaltfreien Kommunikation und einer angemessenen Formulierung der eigenen Bedürfnisse ist so ein friedlicheres und für beide Parteien angenehmes Miteinander ohne gewaltvolle Auseinandersetzungen möglich.

Apr 242012
 

In einer schnelllebigen Gesellschaft haben sich auch die Wertigkeiten vieler Lebensbereich geändert. Hier gehören definitiv auch die Bereiche Partnerschaft und Beziehung dazu. Althergebrachte Konzepte wie zum Beispiel die Ehe oder das klassische Familienleben haben für viele nicht mehr die Wichtigkeit und Bedeutung wie früher. Stattdessen stehen vielleicht andere Dinge im Mittelpunkt und möchten verwirklicht werden. Es ist also kein Wunder, dass Beziehungen oft nur von kurzer Dauer sind und die Scheidungsrate in die Höhe schnellt.

Doch was bedeutet das nun für das partnerschaftliche Miteinander? Obwohl dieser Wertewandel im ersten Augenblich bedrohlich erscheint, birgt er auch eine Chance in sich. Wer früh genug beginnt, die Muster der eigenen Beziehungen und das damit verbundene Verhalten zu verstehen, hat die Möglichkeit den Partnerschaften eine neue Qualität zu geben. Durch die Betrachtung des Verhaltens innerhalb der Beziehung können Partnerschaftsprobleme aufgedeckt und bearbeitet werden. Ziel ist es, so Partnerschaften im eigenen Ermessen zu gestalten und die Partnerschaftszufriedenheit zu erhöhen. Hierzu ist es vorerst wichtig, festzustellen, in welcher Art von Partnerschaft man sich befindet.

Impulsive Paare

Kommt es bei impulsiven Paaren zu Konflikten in der Partnerschaft, sind meist beide Partner bemüht, den anderen von den eigenen Argumenten zu überzeugen. Dabei kann die Diskussion auch sehr negativ ausfallen obwohl im Großen und Ganzen ein Schlagabtausch bei impulsiven Paaren von positiven Emotionen dominiert wird. Bei Konflikten zwischen impulsiven Persönlichkeiten stehen meist Themen rund um die eigene Individualität und Eigenständigkeit im Mittelpunkt. Generell sind solche Beziehungen aber durch Intensität und Leidenschaftlichkeit gekennzeichnet.

Für impulsive Paare ist es besonders wichtig, für Ruhephasen innerhalb der Beziehung zu sorgen. Die erlebte Leidenschaftlichkeit ist zwar intensiv und positiv, kann aber auch aufreiben und ermüden. Impulsive Paare müssen für Rituale innerhalb der Beziehung sorgen. Beispielsweise könnte man einmal im Monat einen Beziehungsabend speziell für Gespräche einplanen.

Wertschätzende Paare

Derartige Paare führen häufig Konfliktdiskussionen, welche von einem Übermaß an Einfühlungsvermögen und Verständnis getragen werden. Die Ansichten und Gefühle des Partners werden akzeptiert, sogar dann wenn sie nicht geteilt oder direkt nachempfunden werden können. Wertschätzende Paare versuchen auch in schwierigen Konfliktsituationen eine gemeinsame Lösung zu finden und dadurch sind Auseinandersetzungen meist von Ruhe und Mühelosigkeit geprägt. Diese unterstützende Haltung führt zu einer besonders intimen Beziehung.

Wertschätzendes Verhalten kann unter gewissen Bedingungen in ein kontraproduktives Aufopferungsverhalten kippen. Deshalb sollten wertschätzende Paare dafür sorgen, sich bei Entscheidungen innerhalb der Beziehung auch als eigenständiges Individuum gerecht zu werden. Ansonsten droht trotz Übermaß an Verständnis früher oder später das Ungleichgewicht.

Vermeidende Paare

Sind Paare kaum oder nur sehr unengagiert mit der Lösung ihrer Beziehungskonflikte beschäftigt, können sie als vermeidende Paare bezeichnet werden. Differenzen oder Uneinigkeiten in der Beziehung werden anstatt sie zu behandeln lieber als unbedeutend bezeichnet oder einfach abgetan. Nur selten werden Probleme wirklich ausdiskutiert. Außerdem laufen diese Diskussionen sehr emotionsarm ab. Dieses Verhalten setzt sich in der alltäglichen Kommunikation meist fort. So vermeiden die Paare das Aufkommen von Auseinandersetzungen und Konflikten.

Paare, die vermeidendes Konfliktverhalten aufweisen, müssen ähnlich wie die impulsiven Paare für Regelmäßigkeit in der Beziehungsarbeit sorgen. So kann es nicht dazu kommen, dass wichtige Themen vermieden und ausgeklammert werden. Oft kann es helfen, die Gründe, welche die Angst vor der Konfrontation auslösen, näher zu beleuchten.

Feindselige Paare

Bei diesen Paaren ist eine erhöhte Trennungsrate zu beobachten. Diese lässt sich durch die geringe Partnerschaftszufriedenheit, die geringe Konfliktlösefähigkeit und den nicht aufgebrachten Respekt für den Partner erklären. Neben der fehlenden Achtung des Partners ist die Kommunikation von feindseligen Paaren von Kritik, Uneinigkeit, Verächtlichkeit und Abwehr geprägt. Innerhalb der Beziehung von feindseligen Paaren überwiegen generell negative Gefühle.

Durch die permanente Negativität zwischen feindseligen Paaren kann die Beziehung stark auslaugen oder im schlimmsten Fall zu seelischen Verletzungen führen. Hier ist intensive Beziehungsarbeit angesagt, denn sonst bricht eine derartige Beziehung höchstwahrscheinlich bald auseinander.

Feindselig-losgelöste Paare

Hier besteht das Problem, dass zusätzlich zur vermehrten Negativität in der Beziehung eine starke emotionale Distanziertheit hinzukommt. Das bedeutet, dass bei feindselig-losgelösten Paaren bereits Kleinigkeiten reichen, um Konflikte eskalieren zu lassen. Die fehlende Zuneigung und Liebe führt zu einer inneren Distanziertheit und so wird es schwer, bei Uneinigkeiten Konflikte positiv abzufangen.

Beziehungen von feindselig-losgelösten Paaren sind in ihrer Dynamik meist sehr beunruhigend. Durch die vorherrschende Provokation und Kühle zwischen den Paaren sind seelische Verletzungen nicht ausgeschlossen. Das Verhalten ist jedoch für die Beteiligten nur schwer zu durchschauen und zu durchbrechen. In solchen Fällen ist es ratsam, Hilfe in Form von Psycho- oder Paartherapie einzuholen.

Um zufriedene Beziehungen leben zu können ist es wichtig, die typischen Kommunikations- und Verhaltensstile innerhalb der Partnerschaft zu kennen. Hierbei kann es hilfreich sein, zu wissen, ob man zu den impulsiven, wertschätzenden, vermeidenden, feindseligen oder feindselig-losgelösten Paaren gehört. Ist man sich den wiederkehrenden Mustern dieser unterschiedlichen Beziehungstypen bewusst, können auch Veränderungen vorgenommen werden und so die Partnerschaftszufriedenheit angehoben werden. Oft ist es schon hilfreich, regelmäßig das Gespräch mit dem Partner zu suchen. Klappt die Kommunikation können auch Ungereimtheiten in Beziehungen schnell und erfolgreich aus der Welt geschaffen werden.

Jan 272012
 

Bei körperlichen Beschwerden vertrauen viele ihre Symptome zuallererst der Suchmaschine an. Doch auch bei seelischen Problemen ist es sehr einfach, mehr Informationen und Tipps von Dr. Google zu erhalten. Schnell sind die Symptome eingegeben und augenblicklich sind eine Vielzahl von Informationen und Ratschläge verfügbar. Doch ist es überhaupt ratsam gerade bei seelischen Problemen und psychologischen Fragen Dr. Google zu konsultieren? Eine zu rasch gestellte Selbstdiagnose kann besonders bei seelischen Leiden negative Folgen haben. Jedoch bietet das Internet auch viel Hilfreiches für die Selbsthilfe und Ratsuchende können schnell Unterstützung erhalten. Dabei ist es aber wichtig zu wissen, wie man mit dem enormen Informationsangebot richtig umgeht.

Informationssuche im Netz ersetzt nicht den Experten

Wer bei seelischen Problemen auf Ratschläge oder Beratungsangebote im Internet zurückgreift muss sich in erster Linie bewusst machen, dass diese den Gang zum Mediziner, Psychologen oder Psychotherapeuten nicht ersetzen können. Besonders bei komplizierten oder akuten Problemen ist auf die Hilfe aus dem Netz kein Verlass. Leider ist es aber auch oft der Fall, dass aufgrund von Scham oder Angst die Unterstützung aus dem Netz der Hilfe von Experten vor Ort vorgezogen wird. Man sollte sich bei der Heranziehung von Hilfe aus dem Netz Folgendes bewusst machen: Informationen und psychologische Beratungsangebote aus dem Internet sollen nur der ersten und allgemeinen Orientierung oder der zusätzlichen Unterstützung einer professionellen Begleitung dienlich sein.

Der richtige Umgang mit Informationen verhindert Cyberchondrie

Bei Problemen seelischer Natur spricht nichts gegen eine Informationssuche im Internet. Dabei sollte man aber den Informationsgehalt immer kritisch hinterfragen. Problematisch kann es auch sein, wenn dem Internet mehr Glauben geschenkt wird als dem Experten vor Ort. Besonders wichtig ist dies bei seelischen Beschwerden. Hier ist es aufgrund der komplexen Zusammenhänge für den Betroffenen oft schwer, sich ein objektives Bild über seinen Zustand zu verschaffen. Im schlimmsten Fall kann es durch die vermehrte Beschäftigung mit den eigenen Problemen und emotionalen Thematiken zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes kommen. Besonders ängstliche Menschen, die zur Hypochondrie neigen, finden bei der Informationssuche im Netz schnell den passenden Beweis für ihre schlimmsten Vermutungen. So ist es nicht selten der Fall, dass sich diese Personen nach der Befragung von Dr. Google schlechter fühlt als zuvor. Für dieses Phänomen benutzt man in Expertenkreisen bereits das neu erfundene Fachwort „Cyberchondrie“.

Besonderes Augenmerk auf Seriosität setzen

Bei der Auswahl von Informationen im Internet sollte deshalb immer darauf geachtet werden, dass man es mit einem seriösen Anbieter zu tun hat. Ob es sich um ernstzunehmende und hilfreiche Inhalte handelt, merkt man beispielsweise daran, dass sich Online-Anbieter bemühen, einem bestimmten seelischen Thema sensibel zu nähern. Stehen lediglich plakative Versprechen, unglaubwürdige Erfolgsgeschichten oder Kaufaufforderungen im Vordergrund, sollte von dem entsprechenden Informationsanbieter im Netz Abstand gehalten werden.

Vor- und Nachteile von Foren, Communities und der Online-Beratung

Neben dem klassischen Angebot von Informationen zur Bewältigung besonderer Lebenssituationen, beispielsweise in Fachlexika oder auf Gesundheitsportalen, bietet das Internet außerdem zahlreiche Communities zu den unterschiedlichsten Themen und Problembereichen. Neben klassischen Foren bestehen auch professionell moderierte Selbsthilfegruppen im Netz. Einen besonderen Mehrwert bilden sogenannte Ratgeber-Communities. In diesen Communities kann jeder seine Fragen stellen und von der Lebenserfahrung und dem Wissen der anderen profitieren. So entsteht eine Wissensbasis, die auch für andere nützlich sein kann. Abseits dieser Communities besteht auch die Möglichkeit der persönlichen Online-Beratung. Diese Angebote der psychologischen Lebensberatung werden je nach Anbieter kostenfrei, zum Teil aber auch kostenpflichtig angeboten.

Wie sich gezeigt hat, sollte man verantwortungsvoll mit den Informationen zur Bewältigung seelischer Probleme von Dr. Google umgehen. Jedoch ist es unumstritten, dass das Internet viele wertvolle Quellen, die Menschen bei der Überwindung ihrer Probleme und Sorgen unterstützen können, bietet. Das reichliche Angebot an Informationen ermöglicht Betroffenen einen selbstverantwortlichen und selbstfürsorglichen Umgang mit ihrer Situation. Die zusätzliche Unterstützung durch Communities kann sich positiv auf die Problembewältigung auswirken. Somit ist das Internet eine wichtige und unabdingbare Quelle der Hilfe zur Selbsthilfe.

Mai 122011
 

Kritik anzunehmen ist eine schwierige Sache. Doch viel schwieriger ist es, Kritik zu äußern. Oft befindet man sich in einer Situation, in der man sich über das Verhalten anderer ärgert. Doch hält man sich sehr oft lange zurück und spricht die Kritik nicht aus. Doch warum ist es so schwierig zu kritisieren und warum hält man die eigene Meinung meist so lange zurück?

Das Wort „Kritik“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie unterscheiden, trennen oder prüfen. So betrachtet wirkt das Wort gar nicht mehr negativ und trotzdem ist es nicht leicht, Kritik anzubringen. Aus der Psychologie weiß man, dass Kritik beim Kritisierten sowie beim Kritiker zu negativen Gefühlen führen kann. Kritik wird als persönlicher Angriff erlebt und als Kritiker hat man Angst, dass man durch die direkte Meinungsäußerung zur Zielscheibe für verbale Angriffe werden könnte.

Tipp 1: Ich-Botschaften senden

Doch mit ein paar einfachen Tricks kann man seine Kritik positiv, konstruktiv und für den Kritisierten verständlicher gestalten. Dabei sollte man unbedingt Ich-Botschaften verwenden und das Gegenüber nicht global kritisieren. „Ich fühle mich im Moment nicht verstanden.“ ist besser als „Du hörst nie zu“.

Tipp 2: Verallgemeinerungen meiden

Kritik sollte sich auch immer auf eine bestimmte Situation beziehen. Auch hier sollte man Verallgemeinerungen vermeiden. Nur so weiß das Gegenüber genau, welche Situation gemeint ist und kann sein Verhalten entsprechend verändern.

Tipp 3: Negatives gekonnt verpacken

Durch die sogenannte Sandwich–Methode kann man Kritik konstruktiver gestalten. Man beginnt dabei mit etwas Positiven, führt dann die Kritik an und schließt die Nachricht mit einem weiteren positiven Feedback ab.

Tipp 4: Verständnis trotz Kritik

Durch das Andeuten von Verständnis und Nachvollziehbarkeit, wird Kritik im Allgemeinen beim Kritisierten besser aufgenommen. „Ich verstehe, dass du… jedoch wünsche ich mir, dass…“.

Mit diesen praktischen Tipps fällt es nicht mehr schwer, konstruktive Kritik anzubringen. Missverständnisse und Konflikte werden damit bereits im Keim erstickt.

Mai 032011
 
Unangebrachtes negatives Verhalten

Impulsives Verhalten verstehen – Bild: © lassedesignen – Fotolia.com

Es ist eine alltagspsychologische Annahme, dass jeder Mensch unter normalen Bedingungen rational und nachvollziehbar handelt. Doch kommt es oft vor, dass man an einem selbst oder bei anderen ein Verhalten beobachtet, welches dieser soeben genannten Annahme absolut nicht entspricht. Menschen verhalten sich plötzlich unangebracht, destruktiv oder vollkommen anders als gewohnt. Doch wie ist eine derartige Veränderung im Verhalten möglich und wie kann man destruktives oder negatives Verhalten ändern?

Zwei Mechanismen steuern das Verhalten

In der Psychologie ist man diesen Fragen nachgegangen und konnte feststellen, dass man menschliches Verhalten anhand von zwei konkurrierenden Mechanismen erklären kann. Das Verhalten wird danach durch ein impulsives und ein überdenkendes Programm im Gehirn erzeugt. Diese beiden Programme laufen immer gleichzeitig und haben verschiedene Eigenschaften, an denen sie sich unterscheiden.

Die beiden Programme benötigen unterschiedlich viele gedankliche Kapazitäten. Das impulsive Programm, welches fast automatisch abläuft, benötigt im Gegensatz zum überdenkenden Programm sehr wenige gedankliche Kapazitäten. So kommt es auch, dass Personen, welche gestresst oder überfordert sind, eher impulsiv und manchmal dadurch unangebracht reagieren. In Stress- oder Belastungssituationen stehen keine Ressourcen zum Überdenken von Handlungen zur Verfügung und das impulsive Programm übernimmt die Kontrolle.

Impulsives und aggressives Verhalten verstehen

Verhalten basiert auf Mustern, welche wir im Laufe des Lebens erlernt haben. Man nimmt an, dass es für beide Programme einen sogenannten „Point of no Return“ gibt. Ist dieser erreicht, wird das durch das Muster vorbereitete Verhalten ausgeführt. Alltagssprachlich begegnet uns dieser Mechanismus in der Redewendung „Das Fass zum überlaufen bringen“. Oft sieht man lange zu bis eine gewisse Schwelle erreicht ist und das impulsive Programm die Führung übernimmt – oft auf eine aggressive und unkontrollierte Art und Weise.

Mit dem Wissen über diese beiden unterschiedlichen Programme kann man unangebrachtes oder negatives Verhalten besser verstehen. Und berücksichtigt man die Eigenschaften der beiden Programme, kann bestimmtes Verhalten geändert und verbessert werden.

Apr 082011
 

Auch in den besten Beziehungen – und hierbei sind alle Arten von Beziehungen gemeint, also beispielsweise Liebesbeziehungen, Freundschaften oder auch berufliche Partnerschaften – kann es zu Konflikten kommen. In diesem Fall ist es sehr wichtig, dass sich das Paar ausspricht, die Probleme beschrieben und konkretisiert werden und Lösungsmöglichkeiten gesammelt werden. Doch das ist meistens leichter gesagt als getan. Mit diesem Sechs-Stufen-Programm gelingt die Konfliktlösung bestimmt.

Schritt 1: Probleme genau beschreiben und festlegen

Der erste Schritt dient der Beschreibung und der Konkretisierung der Probleme. Dabei ist es wichtig zwischen der objektiven Bedeutung des Problems und der subjektiven Gefühle und Erfahrungen zu unterscheiden.

Schritt 2: Lösungsmöglichkeiten suchen

In dieser Phase sollen von beiden Partnern möglichst viele Lösungsvorschläge gesammelt und vorgetragen werden. Vorerst soll die Quantität vor der Qualität der Lösungsvorschläge stehen und auf die Bewertung der Vorschläge verzichtet werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass beide Partner gleich viele Lösungsvorschläge in den Prozess einbringen.

Schritt 3: Die optimale Lösungsmöglichkeit herausfiltern

Dieser Schritt dient der Bewertung der gesammelten Vorschläge. Diese sollen hinsichtlich ihrer persönlichen und sozialen Qualitäten und ihrer kurz- und längerfristigen Konsequenzen beurteilt werden. Schließlich soll gemeinsam eine Entscheidung für die bestmögliche Lösung getroffen werden.

Schritt 4: Gefundene Lösung ins konkrete Verhalten übertragen

Um die gefundene Lösung in das alltägliche Verhalten integrieren zu können, muss festgelegt werden, wer, was, wann, ab wann, wo und wie macht und welche Komplikationen hierbei zu beachten sind.

Schritt 5: Umsetzen der gefundenen Lösung im Alltag

Zu dem festgelegten Zeitpunkt soll die ausgewählte Lösung umgesetzt werden.

Schritt 6: Erfolg bewerten

Nach einer gewissen Zeit, welche vorher festgelegt wurde, soll das Paar das Gelingen oder Misslingen der Problemlösung überprüfen und wenn nötig, erneut nach Lösungsansätzen suchen. Bei Erfolg soll dieser durch gegenseitige Bekräftigung verstärkt werden.

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