
Die Wichtigkeit der Abgrenzung – Bild: © DDRockstar – Fotolia.com
Viele von uns ertappen sich immer wieder dabei, wie sie Dinge tun, die sie eigentlich überfordern, die sie nicht machen möchten, für die seine keine Zeit haben oder die sie im schlimmsten Fall sogar erniedrigen oder ihnen körperlich schaden – und das nur, weil sie nicht „Nein“ sagen können. „Ich hätte nein sagen können“, ist ein Gedanke, der diese Personen oft zu spät ereilt und viele geraten in einen Teufelskreis, in dem sie Gefahr laufen ausgenutzt zu werden. Und auch der bekannte Ratschlag “Sag nicht Ja wenn du Nein sagen willst” ist in diesen Situationen nicht wirklich hilfreich. Doch wieso können manche Menschen besser Nein sagen als andere? Und wie kann man lernen, selbst ab und zu auch mal Nein zu sagen?
Warum manche nicht Nein sagen können
Hinter der Eigenschaft nicht Nein sagen zu können, steht oft ein geringes Selbstbewusstsein. Unsichere Personen haben Angst davor, dass ein Nein dazu führt nicht mehr akzeptiert oder gemocht zu werden und versuchen dieser Angst durch häufige Zustimmung und Gefallen aus dem Weg zu gehen. Hinter dieser Einstellung steht häufig die Angst vor Zurückweisung. Auch das schlechte Gewissen ist bei der Fähigkeit Nein zu sagen nicht zu unterschätzen. Menschen, die Schwierigkeiten haben Nein zu sagen, plagen sich oft damit und haben Angst als egoistisch zu gelten.
Viele sind auch nicht selbstbewusst genug um Nein zu sagen, wenn alle Anderen Ja sagen. Die Zustimmung erfolgt dann um nicht negativ aufzufallen oder um sich nicht rechtfertigen zu müssen. So verschieden die individuellen Gründe manchmal sind, die Konsequenzen sind die gleichen: Die Psyche betroffener Personen wird auf Dauer durch die große Unsicherheit und das häufige Ignorieren eigener Bedürfnisse belastet. Betroffene müssen daher lernen, selbstbewusst für ihren Willen einzustehen und verstehen, dass sie dies nicht immer zu einem egoistischen Menschen macht.
Förderliche und hemmende Einstellungen
Menschen, die häufiger Nein sagen können, sind mit einem soliden Selbstbewusstsein gesegnet. Sie wissen, was sie wollen und was ihnen gut tut und kennen ihre eigenen Grenzen. Deshalb sind sie noch lange nicht egoistisch. Denn nur, weil man Nein sagen kann, muss man nicht immer davon Gebrauch machen. Kleine und große Gefallen, die nicht über die eigenen Fähigkeiten und Grenzen hinausgehen, können so sogar mit mehr Energie und Freude gewährt werden. Menschen, die häufiger Nein sagen, lernen außerdem, dass ein einfaches „Nein“ nicht zwangsläufig zu Ablehnung und Zurückweisung führt.
Hemmende Einstellungen, die im Gegenteil dazu führen so gut wie nie Nein sagen zu können, sind Unsicherheit, Angst vor Zurückweisung, ein hoher Altruismus und Helfersyndrom und das Gefühl, selbst nicht besonders wichtig zu sein. Die Konsequenz ist eine starke Belastung der Psyche in Form von Überforderung und chronischer Unzufriedenheit, die in den schlimmsten Fällen in Depression oder Burnout enden kann. Personen, die diese Eigenschaften bei sich bemerken, sollten daher ihr Selbstwertgefühl stärken und sich selbst besser kennenlernen um die eigenen Grenzen erkennen und einfordern zu können.
Tipps zum Nein sagen
Diese Tipps sollen helfen, das Nein sagen leichter zu erlernen. Außerdem dienen die einzelnen Punkte auch als Orientierungshilfe oder Impulse im Rahmen der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.
- Herausfinden, warum man nicht Nein sagen kann: Betroffene Personen sollten zunächst selbst herausfinden, worin die Gründe für ihre Schwierigkeiten mit dem Nein sagen liegen. Um die Gründe herauszufinden, müssen sich Betroffene Zeit nehmen in sich hineinzuhorchen. Gerade in der konkreten Situation, in der sie um etwas gebeten werden, sollten unsichere Menschen sich trauen sich Zeit zu lassen um über die Bitte und die Konsequenzen nachzudenken. So findet man schneller heraus ob eine Bitte erfüllt werden kann oder aber zu viel für einen ist. Um die eigenen Gründe für das ständige Ja sagen zu finden, hilft es auch Wiederholungen im eigenen Verhalten aufzudecken. Vielleicht erfüllt man die Wünsche einer bestimmten Person immer wieder, obwohl es belastend ist. Diese eine Situation zu analysieren und in Zukunft zu vermeiden, ist schon ein großer Schritt um auch in anderen Situationen Nein sagen zu können.
- Das schlechte Gewissen aushalten: Ein schlechtes Gewissen gehört zum Nein sagen dazu. Die eigene Unsicherheit und der Frust des Anderen lösen vor allem bei feinfühligen Menschen schnell ein schlechtes Gewissen aus. Mit der Zeit und mit häufigerem Nein sagen, werden Betroffene jedoch merken, dass sich dieses schlechte Gewissen aushalten lässt und dass selbst eine Zurückweisung des Anderen selten von Dauer ist. Deshalb sollte man lernen, dass der Frust des Anderen nichts mit einem persönlich zu tun hat um sich davon distanzieren zu können.
- Das eigene Selbstbewusstsein stärken: Menschen, die selbstbewusst sind, haben weniger Schwierigkeiten Nein zu sagen, da sie in sich selbst ruhen und wissen, was gut für sie ist. Um diese Einstellung zu erreichen, hilft es Zeit mit sich selbst zu verbringen, die eigenen Gefühle wahr und ernst zu nehmen. Auch ein neues Hobby kann helfen, sich abzulenken und den eigenen Wert neu schätzen zu lernen. Personen, die wissen was ihnen gut tut und dafür einstehen, stärken so ihr Selbstbewusstsein. Ab und zu Nein zu sagen ist ein großer Teil davon.
Die Fähigkeit, Nein sagen zu können ist für ein gutes Zusammenleben in jeglicher Beziehung und die Aufrechterhaltung des seelischen Gleichgewichts sehr wichtig und sollte auch deshalb geübt und ernstgenommen werden.

